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Journalistische Texte
Veröffentlicht mit geringfügigen Änderungen in "Atelier
- Die Zeitschrift für Künstler" Nr. 134 im August/September
2004
3... 2... 1... und dann? Kunstverkauf über ebay.de
17.690.000 unterschiedliche Besucher meldete die Online-Handelsplattform
ebay in Deutschland im März 2004. Beim Kauf und Verkauf von Büchern, CDs,
Second-Hand-, aber auch Neuware, Elektronik, sogar von Düsenjets ist die
Nutzung des Online-Auktionshauses bereits gang und gäbe - warum nicht
auch beim Kunstverkauf? In der Rubrik "Kunst und Antiquitäten" bietet
ebay sogar die Unterrubrik "Künstler-Selbstvermarktung". Aber wie lukrativ
ist der Handel über ebay für Künstler wirklich? Verkaufen nur "Kaufhaus-Künstler"
oder auch "ernsthafte" Künstler über ebay? Welche Werke verkaufen sich
am besten? Einige Impressionen und Erfahrungsberichte*.
"Ich habe eine Lösung gefunden mit Malen einigermaßen meinen Lebensunterhalt
zu verdienen" - der Vorteil liegt für Claudia Färber auf der Hand. Die
48-jährige gehört zu den rund 1600 Künstlern, die ihre Werke in der Rubrik
"Künstler-Selbstvermarktung" bei ebay.de anbieten. Gegen einen geringen
Prozentsatz des Verkaufspreises (siehe Infokasten) kann jeder dort Werke
verkaufen. Seit sie ihre Arbeit in der Medienbranche verlor, machte die
48-jährige ihren Neben- zum Hauptberuf und verkauft ihre Malerei über
ebay, ohne Kosten für Galeristenanteil, Raummieten und Ausstellungsorganisation.
Auch der Fotograf Dirk Busch sieht den Vorteil des ebay-Verkaufs in der
großen Reichweite bei geringem Werbeaufwand. Die "Praxistauglichkeit eines
Kunstwerks zu testen" nennt er als weiteren Vorteil.
Ebay-Verkäufer können ohne Mühe verfolgen, wie viele Interessenten sich
ihre Werke ansehen und welche Werke, Techniken oder Motive gut angenommen
werden. Ein schmerzfreies Verhältnis zum Kommerz und eine Bereitschaft,
die eigenen Werke in die "Niederungen" der Warenwelt zu entlassen sind
dafür Voraussetzung. Die große Ansammlung von Werken bei ebay, die für
am etablierten "E-Kunst-Markt" orientierte Betrachter/innen die Grenzüberschreitung
zum Kitsch nur knapp verfehlen, kann ein Indiz dafür sein - oder dafür,
wie sehr sich Kunstbetrieb und Publikumsgeschmack voneinander entfernen.
Dementsprechend müssen auch Künstler, die am Kunstmarkt orientierte Preise
erwarten, beim ebay-Verkauf mit Enttäuschungen rechnen. Zwei-, allenfalls
dreistellige Beträge stehen bei den Geboten an der Spitze. Auch Dirk Busch
räumt diesen Nachteil ein: "viele Kunden gehen mit dem Schnäppchengedanken
an ebay heran und bezahlen dort für ein Bild weniger, als wenn das Bild
in einer Galerie hängen würde". Das erfuhr auch Harriet Wolff, Managerin
des Karikaturistenduos "Rattelschneck" (Marcus Weimer und Olav Westphalen).
Die beiden haben erst zwei Werke über ebay verkauft. 1200 Besucher sahen
sich ein angebotenes Werk zum Festpreis von 400 Euro an, Gebote blieben
aus. "Eine Anpassung an übliche ebay-Startpreise birgt die Gefahr, ein
Werk unter Wert zu verkaufen" ist Wolffs Fazit.
Besteht beim Verkauf über ebay also automatisch auch die Gefahr, Werke
und Preise dem Markt anzupassen? Claudia Färber ist diesen Weg bewusst
gegangen. Sie war nicht bereit, ihre unter Realnamen entstandenen Werke
zu den ebay-üblichen Preisen anzubieten. Viele ebay-Kunden erwerben ihre
Werke dennoch, ohne es zu wissen, weil sie dort unter Pseudonym "nach
kommerziellen Maßstäben" gemalte Werke verkauft und dabei Zugeständnisse
bei den Preisen macht. "Es ist langweilig, immer das Gleiche zu malen"
muss sie dabei auch zugeben, aber durch ihre bei ebay verkaufte "Brotkunst"
finanziert sie ihre "wahre Kunst" die sie auf Ausstellungen und in Galerien
präsentiert. Auch Dirk Busch räumt ein, dass er Zugeständnisse macht,
zum Beispiel achtet er auf ein "versandfreundliches" Format seiner Bilder.
Versandkosten werden zwar vom Käufer getragen, aber er zieht es vor, wenn
die Käufer mehr in das erworbene Werk als den Versand investieren.
Der fehlende persönliche Kontakt zum Publikum scheint für die Künstler
weniger das Problem zu sein: "Mit einigen Käufern habe ich einen netten
E-Mail Kontakt, manche holen die Bilder bei mir ab. (...)Den Publikumskontakt
habe ich bei meinen Ausstellungen." berichtet Claudia Färber. Auch Dirk
Busch erfährt positive Resonanz nach Erhalt der Ware". Von weltweiten
"persönlichen, telefonischen und e-mail-Kontakten mit Stammkunden berichtet
dagegen Horst Dengler.
Fazit: Wer am Kunstmarkt übliche Preise erwartet, wird beim Verkauf über
ebay enttäuscht. Wer bereit oder in der Lage ist, Werke unterhalb des
Galeriepreises zu verkaufen, findet bei ebay eine einfache, unbürokratische
Ergänzung zum Verkauf über Galerien, Atelier oder die eigene Homepage.
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* Dies ist keine statistische Erhebung. Insgesamt wurden 12 Künstler über
die auf ebay angegebene Adresse angemailt, vier davon antworteten per
e-mail auf den Fragenkatalog, die Mangaerin von "Rattelschneck", Harriet
Wolff, meldete sich telefonisch.
Infokasten:
Info-Kasten Online-Verkauf: Die Gebühr für Verkäufer bei ebay beträgt
0,25 € pro verkauftem Artikel bei einem Startpreis bis 1,99 €. Bei Verkaufspreisen
von 250 € und mehr beträgt die Höchstgebühr 4,80 €. Bei Nutzung der "Sofort
Kaufen-Option" zahlen Verkäufer 5 Prozent des Verkaufspreises bei Artikeln
bis 50 €, für teurere Artikel gibt es gestaffelte Kombinationen von Prozenten
und Mindestgebühr. Versandkosten tragen die Käufer. Für den Verkäufer
fallen Gebühren nur bei Zustandekommen eines Verkaufs an. 1 Abbildung
des zu verkaufenden Artikels ist gratis, zusätzliche Abbildungen kosten
0,15 € Aufpreis. Weitere Informationen unter http://pages.ebay.de/help/sell/fees.html.
Weitere Online-Auktionshäuser, die auch Kunst anbieten sind:
http://www.hood.de - enthält die Rubrik "zeitgenössische Kunst", aber
keinerlei Gebote und nur winzige Abbildungen.
http://www.besteauktion.de/ 1 Eintrag bei Zeitgenössische Malerei
http://www.auktionato.de 6 einträge unter "Kunst und Antiquitäten", alle
unter "Poster und Kunstdrucke"
Alle Angaben ohne Gewähr, Stand Juli 2004
© Annette von Czarnowski
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