© Annette v. Czarnowski M.A.
Kunsthistorikerin und Online-Redakteurin
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Veröffentlicht in "Schnüss - Das Bonner Stadtmagazin" Nr. 12 im Dezember 2002 (Printausgabe)

Als Gastwirte nicht nur Bier zapften
Eine Kulturgeschichte der Tankstellen
Vereinzelt sieht man sie noch, wie in Köln-Deutz oder Hamm-Rhynern: Tankstellen als Zeugnis der Architekturgeschichte, Relikte der Zeit, als der freundliche Tankwart noch das Zapfen übernahm und die Scheibe putzte.
Joachim Kleinmanns, Kunsthistoriker und Denkmalpfleger, macht einen Rundumschlag durch die Kulturgeschichte der Zapfstellen. Nach einem etwas langatmigen Einstieg über Benzin als Abfallprodukt des Petroleums geht er über zu dessen Vertrieb, der zwangsläufig an die Durchsetzung des Automobils gebunden war. Er erinnert an die Zeit als der Benzinverkauf Nebenerwerb von Gastwirten und Drogerien war, an Bürgersteigpumpen und Tankkioske bis zu den ersten Groß- und Autobahntankstellen. Stadtplanern und Heimatschützern waren Tankstellen ein Dorn im Auge. Im Köln der zwanziger Jahre gehörte der damalige Oberbürgermeister Konrad Adenauer zu den Tankstellengegnern. In den dreissiger Jahren trieb die Heimatschutzbewegung groteske Blüten, wie die Empfehlung eines Zeitgenossen, Tankstellen nach dem Vorbild ostgermanischer Lauben zu bauen. Für die Nachkriegszeit beschreibt Kleinmanns die deprimierende finanzielle Situation der Tankwarte, die durch karge Provisionen kaum mehr verdienten als Industriearbeiter. Der Siegeszug der SB-Tankstellen entzog vielen kleinen Tankstellen die Existenzgrundlage. Seit den siebziger Jahren dominieren in modularer Bauweise errichtete Großtankstellen mit angeschlossenem Shop, in denen das Benzin als Zugabe erscheint.
Im Schreibstil spürt man den Spagat des Autors zwischen populärem Thema und akademischem Anspruch, was die Lektüre gelegentlich anstrengend macht. Reiches Bildmaterial und ein wichtiges Stück Alltagsgeschichte trösten darüber hinweg.

Joachim Kleinmanns: Super, Voll! Kleine Kulturgeschichte der Tankstelle. Marburg 2002, Jonas Verlag, 144 S., zahlr. Abb., Preis 20,- € .

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